Dayas Geschichte

Daya v. Moosberg 16.03.1973 - Februar 1982

Daya bekam ich im Alter von 12 Wochen. Sie kam von einer sehr lieben Züchterin, die sehr eng mit ihren beiden Hündinnen und den Welpen lebte. Ich suchte mir die Frechste aus dem Wurf aus - aber frech war sie eigentlich nicht, nur lieb!

Als sie zwei Jahre alt war, sollte meine Tochter auf die Welt kommen. Ich habe sie lange darauf vorbereitet, ihr immer von dem Baby erzählt, das bald kommt und auf das sie sehr gut aufpassen muss. Sie wedelte dann immer und freute sich, und als ich mit dem Baby nach Hause kam, hielt ich es ihr vor die Nase und sagte: Guck, das ist das Baby, und Du musst immer ganz lieb zu ihm sein. Sie hat meiner Larissa einmal über das ganze Gesicht geleckt, und dann war alles gut. Sie war niemals eifersüchtig!

Nie werde ich ihre große Geduld vergessen, ihre Freundlichkeit zu dem Krabbelkind, das ihr an den Lefzen zog und immer hinter ihr her war. In aller Gemütsruhe stand sie auf, wenn es ihr zuviel wurde, legte sich am anderen Ende des Zimmers hin und wartete, bis Larissa hinter ihr her kam. Und so ging das Spiel - sie wurde nie ungeduldig, sie hätte nie geknurrt oder geschnappt.

Damals war ich mit ihr im Boxer-Klub und habe sie ein bisschen ausgebildet, auch eine Ausdauerprüfung mit ihr gemacht. Die Ortsgruppe war jung und hatte nicht viele Mitglieder und wollte gern eine Zuchtveranlagungsprüfung durchführen, und ich sollte mitmachen mit meiner Daya. Ich wollte nicht, weil ich sowieso nicht züchten wollte, aber sie haben mich überredet. Nun sollte Daya beißen lernen (ich weiß nicht, wie das heute ist, aber damals mussten die Hunde einen Figuranten beißen, festhalten und erst loslassen, wenn sie abgerufen wurden). Meine Daya und Beißen, die wusste doch gar nicht, was das ist. Die Ehrgeizigen haben geholfen - mit einem Sack vor ihr rumgewedelt und was weiß ich, was sie sich alles ausgedacht haben. Daya hat das aber gar nicht interessiert. Und schussfest musste sie sein - so ein Seelchen, wie sie war, das sich am liebsten bei jedem lauten Geräusch verkrochen hätte. Nun, die Aussichten waren schlecht, aber es war ja auch egal. Hauptsache, sie hatten genug Hunde zum Mitmachen.

Der große Tag kam, und es ging los mit der Bewertung des Äußeren - da schnitten wir ganz gut ab, denn schön war sie ja. Als es zum Schießen kam, war ich heilfroh, dass in dem Moment ein von ihr heiß geliebtes Klubmitglied mit dem Auto angefahren kam. Ich machte sie darauf aufmerksam, und vor lauter Neugier und Spannung hat sie den Schuss gar nicht mitgekriegt - das war also überstanden. Nun kam noch der schlimmste Teil der Prüfung: das mit dem Figuranten. Ich musste losmarschieren, Daya wurde von einem Helfer festgehalten, und 50 m vor mir stand der Figurant hinter einem Versteck. Als er raussprang, mich “bedrohte” und wild herumfuchtelte, wurde Daya losgelassen - und wie ein Strich raste sie auf ihn los, verbiss sich in seinem “Arm” und ließ nicht los bis ich es sagte. Das war das erste und einzige Mal in ihrem Leben, dass sie gebissen hat. Und sie hatte die Zuchtveranlagungsprüfung bestanden. Ich war einfach nur überrascht, dass sie fähig war, mich so zu verteidigen. Zum Glück musste sie es nie unter Beweis stellen.

Schlimm war, dass sie absolut nicht allein bleiben konnte. Sie heulte, bellte und jaulte dann ohne Unterbrechung. Wie gut, dass ich meine Oma hatte, die sie mir abnahm, wenn ich zur Arbeit ging. So brachte ich Daya jeden Morgen zu meiner Oma, dann meine Tochter in den Kindergarten, und nach der Arbeit das gleiche umgekehrt.

Später zog ich weg und fand eine liebe Nachbarin, die ebenfalls ein Boxermädchen hatte. Die spielte dann Babysitter. Als ich wieder umziehen musste, habe ich Daya dann ganz zu meiner Oma gegeben, denn ich fand niemanden, der sich während meiner Arbeit um sie hätte kümmern können. Aber bei meiner Oma hatte sie es ja sehr gut - nur konnte ich sie leider nicht mehr so oft sehen - es lagen 100 km dazwischen.

So konnte ich sie auch an ihrem Lebensende nicht begleiten, denn es kam sehr überraschend - eine Magenumstülpung, und der Tierarzt, der sie gut kannte, meinte, sie würde eine Operation nicht überleben und hat sie eingeschläfert. Es tut mir noch heute weh, dass ich nicht bei ihr war in ihrer letzten Stunde, aber meine Oma hat sie begleitet - sie war in den liebsten Händen, die man sich denken kann.