Emmas Geschichte

Emma, geb. 14.07.2001

 

 

Emma verbrachte die ersten 10 Monate ihres Lebens bei einem amerikanischen Pärchen. Da der Mann gewalttätig war, wurde er zurück in die USA geschickt. Emma, die damals Harley hieß, wurde von einem anderen amerikanischen Ehepaar aufgenommen, das kleine Kinder und eine Schäferhündin hatte.

Wie es wohl bei Amerikanern üblich ist, wurde auch Emma in einer Transportbox gehalten. Sie kannte fast nichts von der Welt. Sie wurde mir übergeben mit folgender Beschreibung: Sie knurrt und schnappt, sie wird nicht stubenrein, sie pullert aus “Bosheit” und verträgt es nicht, “diszipliniert” zu werden. Die Eltern hatten Angst um ihre Kinder und wollten Emma so schnell wie möglich los werden.

Ich konnte sie nicht sofort nehmen, beobachtete sie eine Woche lang im Tierheim und konnte erstmal nichts Auffälliges feststellen. Sie war lieb, verträglich mit anderen Hunden und freute sich immer riesig, wenn ich kam. Also nahm ich sie dann zu mir - auch mit Jule (Beagle-Dackel-Mix, 11 Jahre) und Balou gab es keine Schwierigkeiten.

Aber - sie knurrte und schnappte tatsächlich, und sie war auch nicht stubenrein. Ich beobachtete sie erst einfach und konnte dann erkennen, wann sie knurrte und schnappte. Lautere Stimmen machten ihr immer Angst - dann knurrte und bellte sie. Sie knurrte auch, wenn sie nicht wollte, was ich wollte oder wenn sie nicht verstand, was ich von ihr wollte, und wenn mehr als zwei Leute um sie herum waren, bekam sie anscheinend auch Angst. Ich habe sie dann einfach immer abgelenkt, mit einem Spielzeug gelockt oder bin einfach nur weggegangen, damit sie mir nachlief. Und es dauerte nicht lange, vielleicht 8 Wochen, dann hatte sie das Knurren und Schnappen vergessen. Auch dass unsere großen Jungs etwas lauter sprechen, macht ihr jetzt nichts mehr aus.

Für den Tierarzt brauchten wir allerdings einen Maulkorb, denn sie musste oft da hin und wollte sich nicht behandeln lassen. Bindehautentzündung, die schon fast chronisch war, Follikel entfernen - sie war nicht geduldig, wollte das alles nicht, aber schließlich war dann alles OK.

Stubenrein wurde sie auch ganz schnell - ich bin ganz regelmäßig mit ihr rausgegangen, und nach 2 Wochen war das Thema erledigt - außer, ich ließ sie “allein” mit Jule und Balou. Wenn ich das Haus verließ, nahm sie mir alles auseinander, zerfetzte alles, was sie bekommen konnte, und dann fand ich auch Häufchen und Pfützchen bei meiner Rückkehr vor. Ich habe Emma soweit es ging, überall hin mitgenommen und sie dann ganz allmählich an das “Ohne-mich-Sein” gewöhnt. Inzwischen stehen immer zwei Körbe voller Papier für sie bereit, damit sie sich in meiner Abwesenheit beschäftigen kann - Papier zerkleinern macht sie nämlich am liebsten. Am zweitliebsten frisst sie Joghurtbecher, aber das ist eine ganz gefährliche Sache. Dann geht es ihr ca. 5 Tage so schlecht, dass ich denke, sie stirbt. Dreimal ist das vorgekommen, und erst beim dritten Mal habe ich die Ursache herausgefunden - jetzt kommen natürlich alle Joghurtbecher außer Reichweite.

Eine ihrer Spezialitäten ist auch das Türen öffnen - und wehe, sie findet in den Zimmern unserer Jugendlichen Pizzareste oder ähnliches. Das ist die wahre Freude. Aber wählerisch ist sie nicht - sie frisst auch Klopapier, Zahnbürsten, Socken, Bücher, alles, was man halt mal so rumliegen lässt.

Sie ist (leider) keine Schmusebacke, lässt sich zwar gern streicheln, aber nicht lange. Sie ist eine unruhige Hummel und muss immer unterwegs sein. Am liebsten balgt sie ohne Ende mit Balou und rennt mit ihm um die Wette über die Wiesen. Und so sieht sie danach aus:

Emma ist ein liebes Mädchen, und ich glaube, sie wird im Lauf der Zeit noch anhänglicher werden. Ich bin sehr froh, dass sie wieder Vertrauen in die Welt und zu den Menschen gewonnen hat.

Und das ist Emma im Januar 2006:

 

April 2009:

Inzwischen lebe ich allein mit Emma und jetzt Boy - Balou ist im Januar 2008 verstorben. Die Kinder sind aus dem Haus, und jetzt leisten uns 12 Katzen Gesellschaft.

Emma ist nie eine Schmuserin geworden, aber eine wilde Hummel ist sie mit ihren jetzt fast 8 Jahren immer noch.