Tommys Geschichte

Tommy 1983 - 30.10.1989

Eines Tages rief mich meine Mutter an: Im Tierheim Eschwege - meiner Heimatstadt - sei ein Boxer, ob ich mir den mal angucken wolle.

Natürlich fuhr ich sofort hin und nahm ihn auch sofort mit. Zwei Jahre war Tommy damals alt, war bei Geschäftsleuten gewesen, die eigentlich gar keine Zeit für ihn hatten, und so landete er im Tierheim.

Tommy war ein bisschen tapsig, er war auch sehr groß für einen Boxer. Mein damaliger Lebensgefährte war nicht so begeistert wie ich. Er kannte keine Hunde - Boxer schon gar nicht, und der Hund zerkratzte im neu renovierten alten Haus die Dielen. Ich dachte, OK, es hat keinen Sinn und brachte ihn schweren Herzens wieder zurück. Das war aber auch nicht richtig: Wie könne ich sowas tun, der Hund sei jetzt schließlich drei Tage bei uns gewesen, da könne ich ihn nicht wieder ins Tierheim bringen. Alles klar, hab ich gesagt, wenn Du das denkst, dann hol auch Du ihn bitte wieder zurück. Und das hat er dann getan, und es wurde auch eine große Liebe zwischen den beiden.

Er war eine Seele von Hund! Mein Sohn, der ihn nur zwei Jahre erlebte, sagt heute noch: Tommy war mein bester Freund.

Nur eine Macke hatte er: Er konnte keine Katze am Leben lassen. Hingesaust, im Nacken gepackt, einmal geschüttelt, aus war’s. Ich konnte ihm das leider nicht mehr abgewöhnen - aber unter den Katzen hat es sich wohl schnell rumgesprochen, denn bald kamen keine mehr in unseren Garten.

Einmal ist er uns ausgebüchst, und die Nachbarshündin bekam dann Nachwuchs von ihm. Die Kleinen haben aber schnell eine Familie gefunden - glücklicherweise.

Als Tommy gerade 6 Jahre alt war, bekam er Lähmungserscheinungen in den Hinterbeinen. Ganz allmählich wurde es schlimmer und schlimmer. Schließlich zog er die Hinterbeine nur noch nach, konnte nicht mehr richtig Häufchen machen, und rennen schon gar nicht mehr. Nach vielen Tierarztbesuchen gab es keine Hoffnung auf Besserung mehr, und so musste ich entscheiden, wann sein Leben beendet werden sollte.

.

Nichts ist mir in meinem Leben so schwer gefallen wie diese Entscheidung, aber eines Tages gab es keine andere Möglichkeit mehr. Ich fuhr mit ihm zu seiner so geliebten Tierärztin, ich heulte und heulte und sprach mit ihm, und er sah mich an, als wollte er sagen: Wein’ nicht, es ist doch gut so! Er war so einverstanden und lag so friedlich da, hat sich überhaupt nicht gewehrt und mich nur angeschaut bis es vorüber war.

Mein guter Tommy war nicht mehr da!