Odin, fast 2 Jahre – Taub

Update 23.01.2022

 

 

Ein Boxer?
Aber ja!

 

Wenn Ihr gedanklicher Einstieg so oder so ähnlich abläuft, dann habe ich jetzt eine bestimmte Spezies vor mir: Boxer-Leute.
 
Das ist dieser bestimmte Menschenschlag, der entweder per Zufall oder ganz bewusst den ersten Boxer oder Boxer Mischling im Familienverband aufnahm, nach dessen viel betrauertem Tod aber sofort das Umfeld/das Internet nach einem neuen Hund genau dieser Rasse abgrast und nun bei uns der Boxer Nothilfe Deutschland genau richtig ist.
 
Ich denke, damit wäre vorab geklärt, wer beim Anblick von unserem Odin diesen Text weiterlesen wird.
 
Odin ist kein ganz „normaler“ Boxer. Er hat in seinem Leben Höhen und besonders Tiefen kennen gelernt und musste sie alleine, in seiner stillen Welt bewältigen. Odin ist taub. Das ist im Leben von Odin kein Problem – er kennt einfach keine Stimmlagen seines Gegenübers.  Keine schmeichelnden, sanften Worte, die ihn beruhigen können, keine motivierenden, anfeuernden Worte, die ihm Mut geben. Aber auch kein kurzes, autoritär gesprochenes „nein“ oder „aus“, welches ihn aus Erfahrung heraus sein Handeln sofort unterbrechen lässt.
 
Wir Menschen haben uns im täglichen Umgang miteinander auf „Bild und Ton“ verständigt. Haben wir gehörlose Menschen in unserem Umfeld, werden wir sehr deutliche Mimik einsetzen, um zu kommunizieren. Und nichts anderes benötigt unser Odin.
Er muss eine sehr klare, für ihn gut erkennbare Führung bekommen, er sollte keinen Reizüberflutungen ausgesetzt werden und wir sollten uns an ihm erfreuen. Eine völlig falsche Behandlung von ihm wären zaghafte, zurückhaltende, von Mitleid geprägte Aktionen. Odin war bereits in einem Zuhause und leider wurde der ursprünglich geführte und gut strukturierte Alltag nach und nach aus den Augen verloren und Odin war gezwungen, selber Führung zu übernehmen – womit er völlig überfordert ist.
 
Aber ich möchte ihnen kurz einen Überblick über Odins bisheriges Leben geben, damit sie sich ein besseres Bild von ihm machen können:
 
Als Odin Ende 2020 in unsere Obhut kam, nahmen wir einen kleinen weißen Boxerjungen auf, der sein Leben genauso wie sein damaliger Halter als Obdachloser führte. Ihm fehlte ein Rückzugsort, eine warme, kuschelige Höhle, in der er entspannt liegen und Stress abbauen konnte. Er hatte keinerlei Führung, war ohne ausreichendes Futter und wurde leider immer wieder für ihn völlig unersichtlich sehr grob gemaßregelt. Wir gehen davon aus, dass seine Taubheit nicht erkannt wurde. Demzufolge führte jedes Verhalten, dass der Besitzer als Bockigkeit oder eventuell Trotz auslegte, zu schlimmen Strafen.
 
Odin war traumatisiert und verstört und nachdem er übernommen wurde, begannen intensive Trainingswochen, in denen er lernte, langsam zu vertrauen. Die Traumatisierung war nach guter Arbeit mit ihm nicht mehr sofort zu bemerken und er kam plötzlich in die Situation, dass er von lieben Menschen einfach nur gekuschelt und liebkost wurde. In solchen Situationen hätte er gerne geschnurrt, er konnte nicht genug davon bekommen und wurde zu einem weißen Schmusebären.
 
Damit Odin nicht wieder in alte Verhaltensweisen kippte, bekam er einen sehr klar und für ihn deutlich geführten Alltag. Der Ablauf war gut strukturiert, er hatte immer eine klare Vorgabe. Wir wissen, wie schwierig es als Hundehalter sein kann, sich immer wieder selber zu kontrollieren und keineswegs im Überschwang „alle fünfe“ gerade sein zu lassen.
 
Aber Odin ist ein sehr feinfühliger, jedoch mit schlichtem Denkvermögen ausgestatteter Hund, dem die in der Pubertät fehlende Führung schnell anzumerken ist. Bekommt er eine klare Vorgabe, dann sieht man ihn angestrengt nachdenken, er wedelt dann vorsichtig mit der Rute, um eine Bestätigung zu bekommen. Dabei ist es unwichtig für ihn, ob er die Aufgabe erfüllt hat oder nicht. Odin beherrscht durch die Hand optisch übermittelte Grundkommandos. Und ebenso ist er mit Artgenossen verträglich und pöbelt niemanden an.
 
Von seinem Leben hat Odin eine eigene Sichtweise und die ist leicht zu erfüllen: er möchte nie mehr hungern, sondern mit gut gefülltem Hundebäuchlein in einer warmen Höhle oder Box liegen und seine Ruhe haben. Er ist niemals auf Provokation aus, er hat eben Lücken in der sozialen Interaktion. Und um sein Glück komplett zu machen, wäre ein eigener Garten für ihn wunderbar. Ein Garten, groß genug, damit er darin durch die Gegend laufen und schauen kann und wenn es an der Zeit ist, wieder in seine Höhle zu gehen und sich auszuruhen.
 
Odin geht aber auch gerne spazieren. Er läuft flotten Schrittes an der Leine. Damit es in bestimmten Situationen zu keinen Überraschungen kommt, ist Odin gut an einen Maulkorb gewöhnt.
 
Wenn ich noch einmal unsere Wünsche für unseren Schmusebären zusammenfassen darf:
Wir suchen erfahrene und begeisterte Boxerleute, die genau wissen, dass sie immer im Hinterkopf behalten müssen, dass Odin Struktur, klare Regeln und genormte Abläufe im täglichen Miteinander benötigt.
 
Odin ist ein Sorgenkind, es besteht aber kein Grund, ihn zu bedauern und zu verhätscheln wegen der Folgen, die Menschen seiner Seele angetan haben. Viel sinnvoller und für ihn genau richtig wäre eine große Bereitschaft, ihm ein von nun an passendes Leben zu ermöglichen und Verständnis aufzubringen, wenn es einmal nicht wie erwartet läuft.
 
Obwohl wir alle der Meinung sind, dass Hunde immer als unsere Begleiter mit ins Wohnhaus gehören, möchten wir in Odins Fall einmal anders argumentieren. Denn einzig sein gutes und für ihn zufriedenes Leben stehen im Vordergrund. Und wir sind der Meinung, dass Odin mit einem beheizbaren, kuscheligen und gemütlichen Außenquartier mit Gartenzugang überglücklich wäre. Das klingt ungewohnt, aber es geht hier einzig um die Zufriedenheit unseres großen, etwas schlicht denkenden, tauben Boxerjungen.
 
Wenn Sie von sich sagen, dass Sie unserem Odin gerne Hilfestellung und ein zufriedenes Leben ermöglichen möchten und sich bei uns melden, dann käme das dem Finden der Nadel im Heuhaufen gleich.
 
Zu Beginn mag dieser Text Sie abschrecken oder irritieren, aber mit der genauen Einweisung in die Regeln im Alltag und nach dem Kennenlernen unseres Boxerjungen ist es kein Problem – wenn Sie konsequent und klar in Ihren Vorgaben sind.
 
Wir würden uns sehr über Ihre Bewerbung freuen und unser Odin wäre überglücklich, sein „Für-immer-Zuhause“ zu beziehen. Ein Zuhause, in dem er akzeptiert wird, wie er ist.
 
 
 
 

 

 
 

 

 
 
Kontakt:
Neue Bundesländer
Annett List
Tel: 03908-590795

 

Update August 2022 – Odin sucht leider wieder!

 

Viele Boxerfreunde werden sich an unseren kleinen Odin erinnern. Tieftraurig müssen wir mit Odin nochmals auf die Suche nach seinem Zuhause für immer gehen.
 
Odin wird im Hundetrainingszentrum in Sallenthin auf seinen Neustart ins Leben vorbereitet. Bei Samira und ihrem Team hat bereits unsere Amy das Rüstzeug für ein neues Leben bekommen.
 
Eingewöhnung in der Trainingspension:
Odins kleine Welt war zuerst völlig aus den Fugen geraten. Nach kurzem Austesten seiner Grenzen, hat der kleine Mann aber zügig begriffen, es geht wieder anders lang. Wird Odin vor vollendete Tatsachen gestellt, kann er sich recht schnell einfügen und den Umstand dankbar annehmen. Odin ist ein sehr feinfühliger Rüde, der sich im Umgang mit Menschen hier sehr nett und bemüht zeigt. In der Interaktion macht sich teils eine gewisse Unsicherheit breit, man sieht förmlich wie sein Köpfchen rattert, er wartet auf positive Rückmeldung und benötigt emotionale Unterstützung. Angst zeigt der Rüde in keiner Weise, seinen Artgenossen wurde gleich vermittelt, hier bin ich, ohne jedoch die Anderen abzulehnen. Bekommt ein Mitbewohner vor ihm Futter, stellt sich Odin anders dar, hier muss ihm wieder eine klare Linie aufgezeigt werden.
 
Es zeigt sich, Odin kann in unserer früheren Obhut Erlerntes abrufen.
 
An der Leinenführigkeit muss wieder gearbeitet werden, bei Spaziergängen marschiert Odin freudig wie ein kleiner Ochse voran.
 
Der Stress hat Odin doch zugesetzt und wir müssen wieder an seinem Gewicht arbeiten.
 
Das Trainingskonzept wurde erstellt, was auch ein auf seine Taubheit angepasstes Rückruftraining beinhaltet. Dies soll Odin einen normalen Freilauf ermöglichen, ansonsten spielt Odins Taubheit keine große Rolle und stellt für den Kleinen keine Behinderung dar. Odins ganz besonderen Öhrchen sehen nur die Menschen als Handicap.
 
Odins Leben davor:
Als Odin Ende letzten Jahres in unsere Obhut kam, war der kleine, weiße Boxerjunge bis wenige Wochen zuvor ein obdachloses Boxerkind. Odin musste auf der Straße leben, ohne ein warmes weiches Bettchen, ohne ausreichend Nahrung und ganz sicher ohne wirkliche menschliche Fürsorge. Odin wurde sicher mehr als grob gemaßregelt, wenn der Kleine auf Grund seiner Taubheit teils nicht reagieren konnte.
 
Odin hatte gelernt die Dinge selber in die Hand zu nehmen, was ihm vielleicht sogar das Leben gerettet hat. Wir haben den Kleinen aufgefangen und versprochen, auf ihn wartet ein Leben in Sicherheit und Geborgenheit.
 
Es folgten intensive Trainingswochen, in denen Odin lernte zu vertrauen und seine Traumatisierung rückte immer mehr in den Hintergrund. Das Menschen einfach nur lieb sind, war eine völlig neue Erfahrung für den Kleinen. Kuscheln fand er bald so toll, dass er den Namen Schmusebär bekam. Um die positiven Veränderungen weiter zu festigen, hatte Odins Alltag Struktur, Führung und klare Richtungsweisung, so sollte es
auch im neuen Zuhause bleiben.
 
Als Odin sein Köfferchen packte, waren wir uns sicher, die richtige Entscheidung zu treffen.
 
Im neuen Zuhause wurde beim Zusammenleben leider Struktur und Führung zusehendes aus den Augen verloren. Aus falsch verstandener Liebe kam Odin ungewollt in die Situation, immer mehr die Führung zu übernehmen, was zwangsläufig zu nicht mehr tragbaren Konflikten führte.
 
Unverändert wünscht sich Odin souveräne Menschen an seiner Seite, die ihm Sicherheit geben und mit Einfühlungsvermögen ankommen lassen. Odin mag einen strukturierten Tagesablauf, konsequente Führung und klare Regeln, die er dann gerne befolgt.
 
Zudem sollten seine Leute Taubheit nicht als Problem ansehen.
 
 
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Odin ist nun unser neuer Sorgenboxer.
 
Bereits bei der Aufnahme von Odin war uns bewusst, dass der kleine Boxerjunge während seiner Welpen- und Junghundezeit oftmals Hunger leiden musste und Essen ein sehr heikles Thema ist. Wir stellten uns von Beginn an darauf ein, analysierten Odin genau und arbeiten täglich intensiv mit ihm. Da generell der Zugang zu Nahrung und Ablauf der Fütterung in der Hundepension sehr strukturiert ist, stellten sich erste positive Veränderungen ein.
 
Nun müssen wir jedoch sagen, dass Odin aufgrund der schlechten Vergangenheit regelrecht traumatisiert ist und er in Bezug auf Nahrung eine wirklich äußerst geringe Toleranzschwelle hat. Sobald Odin den Verdacht auf Essen hat, legt sich ein Schalter in seinem kleinen Köpfchen um und er reagiert unberechenbar.
 
Ein Leben innerhalb des Hauses, umgeben von Nahrungsmitteln jeglicher Art, ist derzeit undenkbar und kann von uns nicht verantwortet werden.
 
Außerhalb der Reichweite von Nahrung ist Odin ein junger Boxer, den man leiten kann.
 
Menschen begegnet er neutral, er lernt langsam, wie toll streicheln und spielen sein kann. In Ruhe in seinem weichen Körbchen im Warmen zu schlafen, ist für ihn das Größte. Für einen ehemals obdachlosen Boxer, bedeutet dies bereits das Paradies.
 
Odin ist soweit angekommen, dass seine Taubheit in nicht vom Tiefschlaf abhält.
 
Odins Pensionseltern haben sich der Therapie von Hunden mit Verhaltensauffälligkeiten und Resozialisierung von Problemhunden verschrieben, so ist Odin sehr gut aufgehoben.
 
Wir möchten Odin jedoch gerne die Chance auf ein glückliches Boxerleben im eigenen Zuhause ermöglichen. Daher suchen wir Boxerleute die bereit sind Voraussetzungen zu schaffen, damit Odin auch jetzt schon in sein neues Zuhaue umziehen kann.
 
Odin bekäme sein eigenes, separates, warmes Reich, ohne Zugang zum Haus, aber natürlich emotional trotzdem ganz nah dran an seinen Leuten.
 
Seine Leute müssten bereit sein, konsequent die Regeln bezüglich Umgang mit Nahrung einzuhalten, um nicht aus falsch verstandener Liebe, sich oder Odin zu schaden.
 
Odin möchte ländlich mit eingezäunten Garten wohnen.
 
Zu seinem Haushalt sollten keine Kinder und keine Katzen gehören.
 
Odin muss noch viel nachholen und möchte noch viel lernen, zudem machen Odin unbekannte Dinge Angst und stressen den Kleinen sehr, daher müssen seine Leute bereit sein Odin alle Zeit der Welt zu geben.
 
Seine Leute sollten zudem keine Scheu vor seiner Taubheit haben.
 
Selbstverständlich geben wir in allen Fragen kompetente Hilfestellung und Begleitung.
 
Die Dauer des Aufenthaltes in unserer Partnerpension in Brandenburg (PLZ Raum 147…), sowie die Trainingsmaßnahmen sind momentan zeitlich nicht absehbar, daher würde es uns sehr helfen wenn wir liebe Paten/Spender für Odin gewinnen könnten.