Nadja kam als Beschlagnahmung aufgrund von schlechter Haltung in unser Tierheim.
Unsere liebevoll genannte Boxerhündin Naddl bringt ein umfangreiches Verhaltensspektrum mit sich. Mal kann sie ängstlich, aufgedreht, misstrauisch oder freundlich ggü. neuen Menschen, Gegenständen und ihrer Umwelt reagieren. Naddl lernt bei uns einiges kennen und bereitet einem echten Boxerfreund sehr viel Freude. Denn Naddl ist überaus witzig, verspielt und hat immer den Drang zum Übertreiben. Im Hundehaus verhält sie sich artig, ist stubenrein und kann problemlos allein bleiben. Sie liebt ihr kuscheliges Körbchen und schläft gern länger 🙂 Draußen zeigt sie sich aktiv, neugierig und liebt es im See zu baden, generell ist Naddl für alles und jeden zu begeistern braucht aber Menschen, an denen sie sich orientieren muss, und vor allem die erkennen, wann es genug für die stürmische Hündin ist.
Für die besondere Hündin suchen wir Boxer erfahrene Halter, die ihr die Welt zeigen und nicht schockiert über ihre Art und Weise sind. Die den nötigen Sachverstand, Ruhe und Geduld mitbringen eine taube Hündin zu erziehen. Naddl zeigt sich körperlich aber tendenziell freundlich ggü. Hunden, ein stabiler, ruhiger Rüde wäre als Partner denkbar. Andere Tiere oder Kinder sollten nicht im zuhause leben. Das vorhanden sein von Haus und Hof wäre empfehlenswert genauso wie der Besuch einer kompetenten Hundeschule. Wer hat Lust auf eine Herausforderung der besonderen Art ?
Manchmal verschlägt es selbst uns die Sprache…
Vor einigen Tagen kam Nadja als Abgabehündin zu uns ins Tierheim.
Und ehrlich…
ihr Zustand hat uns tief getroffen. Die junge Hündin stand völlig verunsichert vor uns.
Ängstlich.
Überfordert.
Völlig überdreht.
Wenn man sich ihr näherte, erschrak sie sofort, knurrte und machte vor Angst unter sich.
Nicht, weil sie aggressiv ist.
Nicht, weil sie „gefährlich“ ist.
Sondern weil Nadja taub ist — und nie wirklich gelernt hat, dass wir Menschen Sicherheit bedeuten.
Ihre komplette Hinterhand war wund und entzündet. Mit nur 25,5 kg ist sie deutlich zu dünn. Der angebliche „Milbenbefall“, der längst behandelt worden sein sollte, entpuppte sich schnell als massiver aktiver Flohbefall.
Und während wir sie versorgten, wurde uns immer klarer:
Nadja wurde schon lange nicht mehr wirklich gesehen.
Dabei ist sie gerade einmal 2 Jahre alt und seit klein auf Teil einer Familie gewesen.
Doch irgendwann war die Familie einfach überfordert – emotional, organisatorisch und finanziell. Nadjas Bedürfnissen konnte irgendwann nicht mehr gerecht werden.
Niemand versuchte wirklich, ihre Taubheit zu verstehen oder andere Wege der Kommunikation mit ihr zu finden.
Sie sollte einfach funktionieren. Und weil sie das nicht tat, wurde sie immer häufiger isoliert und weggesperrt.
Man warnte uns sogar vor ihr.
„Problemhund.“
„Mit Vorsicht zu genießen.“
Doch wisst ihr, was wir sehen?
Wir sehen eine junge Hündin, die bisher einfach nie richtig verstanden wurde.

Eine Hündin, die ständig Angst hat, etwas falsch zu machen.
Und trotzdem ist Nadja einfach nur freundlich.
Je mehr sie bei uns ankommt, desto mehr zeigt sie ihr wahres Wesen: Sie ist albern, liebevoll, manchmal völlig verrückt und ein kleiner Clown mit ganz vielen bunten Murmeln im Kopf.
Eben ganz typisch junger Boxer.
Jetzt darf sie endlich ankommen.
Ohne Angst, ohne Druck, ohne Isolation.
Sie bekommt medizinische Versorgung, Ruhe, gutes Futter und vor allem etwas, das ihr lange gefehlt hat: Verständnis, Geduld, Liebe.
Doch Fälle wie Nadja zeigen uns immer wieder, wie wichtig unsere Arbeit ist.
Immer wieder nehmen wir Tiere auf, die krank, vernachlässigt oder emotional völlig verloren sind. Tiere, die niemand mehr sieht. Tiere, die dringend Hilfe brauchen.